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Franz Eggenschwiler : Poesie der Alltagsdinge

 

16. Februar bis 5. Mai 2019

 

 

Wenn ihm auch zuweilen vorgeworfen wurde, er sei ein unbändiger Kunstproduzent − davon zeugen etwa seine riesigen Auflagen oder die vielen Variationen von Druckgrafiken und Multiples −, so sind doch in diesen letzten Aquarellen von Franz Eggenschwiler die grosse Einkehr, Sensibilität und Liebe zum handwerklich Einzigartigen spürbar, die seit jeher seine grossen Werke kennzeichneten.

 

Entscheidend für seine Kunst war die Tatsache, dass Franz Eggenschwiler in Kiesgruben, Bachbetten, Schrott- und Abbruchplätzen eine wertungsfreie Welt ohne moralische Vorbelastung und voller kreativer Freiräume entdeckt hatte, musste er doch in seiner Jugend durch die streng katholische Erziehung viele Tabus und Schuldgefühle in Kauf nehmen. Seine angestaute schöpferische Phantasie entflammte sich an der brachliegenden Dingwelt, die er durch Assemblagen neu belebte und die ihn zum Objektkünstler par excellence werden liess.

 

Er kombinierte Gefundenes mit von ihm Geschaffenem. Dadurch unterscheiden sich seine Werke ganz klar von den « Objets trouvés » der Surrealisten. Eggenschwiler wirkte nach der Devise :

« Man muss um die Ecken herumdenken. Die Erfolgreichen denken geradlinig, eingleisig. Und gerade ihre Erfolge sind es, die uns schliesslich in die Sackgasse führen. »

 

Die Franz-und-Rosemarie-Eggenschwiler-Wiggli-Stiftung ist glücklich einen Teil des Schaffens Franz Eggenschwilers wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

 

Es ist dem Gutenberg Museum eine grosse Freude, unseren Besuchern vom 16. Februar bis zum 5. Mai 2019 diese Wechselausstellung präsentieren zu können.

 

 

 

Werk und Arbeit

 

 

Franz Eggenschwiler wurde am 9. Dezember 1930 in Solothurn geboren. Er starb am 12. Juli 2000 in Bern.

 

Seine Jugend war durch eine streng katholische Erziehung geprägt. Nach der Grundschule in Biberist machte er eine Lehre als Glasmaler. Gleichzeitig mit D. Roth, B. Luginbühl, R. Iseli und R. Mumprecht war er Kunstgewerbe-Schüler in Bern und bildete sich dann in der Malschule von M. von Mühlenen weiter.

 

Von 1951 bis 1968 war er als Glasmaler in Bern tätig und von 1955 bis 1971 bildete er mit P. Meier, K. Vetter und R. Wälti die «Berner Arbeitsgemeinschaft».

Anfänglich schuf Franz Eggenschwiler Bilder, Skulpturen und Grafiken in Anlehnung an den Konstruktivismus. Ab 1967 begann er aus Fundgegenständen und Abfällen Assemblagen und Objekte zu gestalten und Schmuck anzufertigen. Er entwickelte unter dem Einfluss von Beuys eine Objektsprache, die sowohl den Symbolfunktionen wie auch der individuellen Poesie der Alltagsdinge nachspürte.

 

Sie führte ihn in eine Dingwelt ohne moralische Belastungen. Dieser Perspektivenwechsel ermöglichte es ihm, die Schrottberge der Von-Roll-Werke in eine Märchenlandschaft voller Magie und rätselhafter Zeichen zu verwandeln.

 

Die besondere Faszination für den Druckvorgang liessen ihn u. a. eine innovative Art des Offset- und Holzdrucks entwickeln. Beim Holzdruck übertrug er die Formen auf eine furnierte Holzplatte, sägte sie aus und setzte sie für den Druck wieder zusammen. Die Struktur und Maserierung der verschiedenen Holzplatten bezog er gezielt ein und druckte die einzelnen «Puzzleteile» miteinander oder nacheinander in ganz präziser Farbgebung, häufig in mehreren Schichten. Inhaltlich basierten sie oft auf den sogenannten «Telefonskizzen – Zeichnungen, die fast beiläufig beim Telefonieren entstanden und als Ideengrundlage dienten. Die Grafik wurde neben der Plastik und der Kunst am Bau für Firmen und öffentliche Institutionen zu einem Schwerpunkt in seinem künstlerischen Arbeitsprozess. Für Grafik und Zeichnen hatte er von 1981 bis 1996 auch eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf inne, nachdem er 1980/81 dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin tätig war.

 

Nach dem Brand seines Wohn- und Atelierhauses, einem traumatischen Erlebnis, durch den viele seiner Werke und von Künstlerfreunden verbrannten, wurde die Franz-und-Rosemarie-Eggenschwiler-Stiftung gegründet, die einen Neubau für seine weitere Tätigkeit sowie Ausstellungen diverser Künstler ermöglichte.

 

Die Druckgrafik bildet einen Schwerpunkt in seiner künstlerischen Arbeit. Für den Holzdruck wird nicht wie beim Holzschnitt in Holz geschnitten, sondern die Formen werden auf eine furnierte Holzplatte übertragen, ausgesägt und für den Druck wieder zusammengesetzt..

 

Kontakt

Gutenberg Museum

Liebfrauenplatz 16

1702 Freiburg

 

Telefon 026 347 38 28

Fax 026 347 38 29

info[at]gutenbergmuseum[dot]ch